Die Trockengebiete sind bekannt wegen ihrer atemberaubenden Landschaften, aber auch als die Wiege vieler Hochkulturen wie die der Ägypter, der Azteken oder der Sumerer in Mesopotamien. Die meisten unserer Nutzpflanzen und -tiere finden ihren Ursprung in den Trockenzonen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Heute sind die Trockenzonen Lebensraum für ein Drittel der Weltbevölkerung. Doch ihre Lebensgrundlage ist durch Desertifikation, die Zerstörung der natürlichen Ressourcen, akut gefährdet. Laut dem „Millennium Ecosystem Assessment" von 2005 sind bis zu 20 Prozent aller Trockengebiete weltweit bereits degradiert, was der Fläche von ganz Europa entspricht. Desertifikation ist heute eine der Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit, Unterernährung und Armut in den Entwicklungsländern.

Der Teufelskreis von Ressourcenzerstörung, zurückgehenden Erträgen, sinkenden Einkommen, Armut und Unterentwicklung wird durch den Klimawandel zusätzlich verstärkt. Wissenschaftliche Modelle deuten auf die Zunahme von Trockenheiten und anderen extremen Wetterereignissen in den ariden und semiariden Regionen. Dies stellt einen zusätzlichen Stressfaktor für die empfindlichen Ökosysteme dieser Gebiete dar. Die Menschen in den Trockenzonen gehören zu den ersten Opfern des Klimawandels, obwohl sie selbst ihn am wenigsten zu verantworten haben.

Wassermangel, Hungersnöte und die Verknappung von fruchtbaren Böden gefährden darüber hinaus das friedliche Zusammenleben der Menschen. Dies zeigt sich in den aktuellen Krisenregionen im Sudan oder in Somalia. Desertifikation hat somit auch eine entscheidende sicherheitspolitische Dimension, und ihre Bekämpfung muss zu einem festen Bestandteil aller internationalen Bemühungen um Frieden und Sicherheit werden.

Vor diesem Hintergrund werden an die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) völlig zu Recht hohe Erwartungen gestellt. Die UNCCD muss sich in den kommenden Jahren zu einem effektiven Regelwerk für eine nachhaltige Entwicklung in den von Desertifikation betroffenen Regionen weiterentwickeln. Als Gastgeber des UNCCD-Sekretariats hat sich Deutschland in den letzten Jahren für eine entsprechende Reform der UNCCD-Organe eingesetzt und sich maßgeblich an der Erstellung einer mittelfristigen Umsetzungsstrategie für die UNCCD beteiligt.

Mit der dritten Auflage dieser nicht nur bei Fachleuten, sondern auch bei Schülern und Studenten sehr beliebten CD-ROM möchte ich auf die fortwährende Aktualität des Themas Desertifikation und auf den engen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ressourcenzerstörung aufmerksam machen und Ihnen zeigen, wie die Bundesregierung - gemeinsam mit den Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit - die Partnerländer bei der Desertifikationsbekämpfung unterstützt.


Heidemarie Wieczorek-Zeul

Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung